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[Info]  Die häufigsten Fischkrankheiten
#16
Kiemenfäule

Eine andere, durch zwei Vertreter der Gattung Branchiomyces hervorgerufene Pilzerkrankung ist die Kiemenfäule. Diese Fischkrankheit tritt zunächst innerhalb der Kiemenepithelien auf und bricht bei weiterem Wachstum nach außen durch. Kiemenfäule kann besonders im Sommer bei hohen Wassertemperaturen in stark eutrophierten Teichen mit dichtem Fischbesatz zu großen Verlusten führen.
Bei erkrankten Fischen beobachtet man folgende Symptome: Luftschnappen, Kiemenschwellung und Blutergüsse an den Kiemen, äußerlich sichtbare Verpilzung und gelblich bis braune Verfärbung des Kiemengewebes.
Im Endstadium sind die Kiemen dann weitgehend zerstört. Bei genügend starker Vergrößerung unter dem Mikroskop sind in abgeschnittenem Kiemengewebe die Pilzschläuche und Sporen gut auszumachen.
Kiemenfäule wurde bei fast allen Fischarten beobachtet: Karpfen, Schleie, Hecht, Welse, Coregonus – Arten, Forellen, Giebeln und Stichlingen. Eine Bekämpfung, z. B. durch Bäder, ist wenig wirkungsvoll. Wichtig ist die Beachtung teichhygienischer Maßnahmen als Prophylaxe. Hierzu gehört vor allem die Verhinderung allzu starker organischer Ablagerungen im Teich, wie sie durch zu intensive Fütterung an heißen Tagen entstehen, aber auch die Vermeidung einer zu starken generellen Eutrophierung.
#17
Metazerkarienbefall

Der Befall unserer einheimischen Fische mit Metazerkarien verschiedener Saugwürmer (Trematoden) hat in den letzten Jahren zugenommen. Das liegt zum einen daran, dass die Endwirte der Parasiten, Fischfressende Vögel und Säuger, stark zugenommen haben. Zum anderen haben die Zwischenwirte, Schnecken und Muscheln, in den krautreichen, extensiv bewirtschafteten und über Winter bespannten Teichen gute Vermehrungsbedingungen. Mit dem Kot der Endwirte gelangen die Parasiteneier ins Wasser, im ersten Zwischenwirt werden Unmengen von Zerkarien produziert, die aktiv in den zweiten Zwischenwirt, den Fisch, eindringen. Rote Bläschen als Symptome für Metazerkarien. Nach der Wanderung in das Zielorgan, wie z.B. Haut, Auge, Muskulatur, Gehirn wachsen die Zerkarien zu infektionsfähigen Metazerkarien heran. Dabei werden bis zu 3 mm große Zysten (Bläschen) gebildet.
Mit dem Verzehr der befallenen Fische durch die Endwirte (Vögel, Säuger, Raubfische) schließt sich der Entwicklungskreis. Im Darm dieser Wirte entwickelt sich der bis zu 10 mm große erwachsene Saugwurm. Befallene Endwirte können mit dem Kot täglich 100 bis 750 Eier ausscheiden, befallene Schnecken dagegen können bei Temperaturen von 15 bis 20 °C täglich 15.000 bis 50.000 Zerkarien entlassen. Zu den bekannten Metazerkariosen gehört der “Wurmstar”, hervorgerufen durch den Befall des Auges, speziell des Glaskörpers und der Linse, durch Metazerkarien der Gattung Diplostomum. Bereits das Eindringen großer Mengen Metazerkarien in den Fischkörper führt bei Jungfischen unmittelbar zum Tode, während Erblindung vor allem Fische, wie z.B. Forellen, schädigt, die bei der Futteraufnahme auf ihre Augen angewiesen sind. Ab einem Befall mit etwa 50 Metazerkarien je Auge tritt bei Regenbogenforellen Erblindung ein. Erste Zwischenwirte für Diplostomum sind Spitzhornschnecken, Endwirte sind Möwen und Seeschwalben.
Zu den Metazerkariosen gehört auch die Schwarzfleckenkrankheit. Immer häufiger fangen Angler schwarz gesprenkelte Rotaugen, Brassen und Güstern, bei denen sich hunderte Metazerkarien von Posthodiplostomum in der Haut und in der Muskulatur befinden. Aufgrund ihrer stärkeren Haut findet man bei größeren Karpfen selten Posthodiplostomumbefall, während bei K1 schon gelegentlich Befall festgestellt werden muss. Endwirte sind hier Reiher, erste Zwischenwirte sind Posthornschnecken. Seit einigen Jahren werden bei älteren Karpfen in der Haut und der Muskulatur gelegentlich periartige, graue, etwa 2 mm große Zysten festgestellt, die durch Kalkeinlagerung sehr hart erscheinen. In diesen Zysten sind Metazerkarien eingekapselt, die zur Gattung Neodiplostomum gehören. Endwirte sind Seeadler und andere Greifvögel. Für die Mehrzahl dieser Würmer ist ein komplizierter Entwicklungszyklus typisch, der in manchen Fällen noch nicht einmal genau bekannt ist (Fadenwürmer). Die Parasiten treten hauptsächlich in den inneren Organen (vorzugsweise Leber), in der Muskulatur, in der Leibeshöhle oder im Darmtrakt der Fische auf. Größere Schäden in Teichanlagen werden durch diese Parasiten nur in seltenen Fällen hervorgerufen. Auch sind Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung meist sehr schwierig durchzuführen. Sie bestehen vorzugsweise in der Unterbrechung der Entwicklungskreisläufe, durch Abtöten der verschiedenen Zwischenwirte mit Hilfe der Teichkalkung. Die überwiegende Mehrzahl der Band- und Fadenwürmer unserer Süßwasserfische ist für den Menschen ungefährlich. Lediglich vor dem Fischbandwurm muss gewarnt werden. Er lebt im geschlechtsreifen Zustand im Darm von Katze, Hund und Mensch und kann vor allem bei Kindern ernsthafte Schäden bewirken. Als Zwischenwirt fungieren vorwiegend Raubfische, z. B. Quappe, Hecht, Barsch oder auch Forellen. Die Vollfinne (Plerocercoid) liegt eingekapselt in der Rückenmuskulatur und in der Leber von Fischen. Die Infektion des Menschen erfolgt durch den Genuss rohen bzw. nicht voll durchgegarten Fischfleisches.
Daher ist es nicht unbedenklich, Hunde und Katzen mit rohem Fischfleisch, vor allem von Fischen aus Wildgewässern, zu füttern. Ungefährlich für den Menschen sind dagegen die in der Muskulatur und in der Leber von Salmoniden auftretenden Larven des Hechtbandwurmes.
#18
Pockenerkrankung

Eine weitere Viruserkrankung der Cypriniden sind die als Pocken bezeichneten Oberhautwucherungen. Sie rufen zwar keine großen Verluste hervor, jedoch wird das Wachstum der Fische gestört und stark verlangsamt. Bei dieser Krankheit treten anfangs an den Flossen stecknadelgroße, harte, gallertig bis milchig aussehe1nde Hautverdickungen auf, die allmählich flächenförmig auswachsen und sich über den ganzen Körper ausweiten. Bei schweren Krankheitsfällen kommt es zu einer Knochenerweichung, so dass man die Fische in jede Richtung biegen kann. Klingt die Erkrankung ab, festigt sich das Skelett wieder, doch bleiben meist Wirbelsäulenverkrümmungen zurück.

Der Ausbruch dieser Pockenepitheliome ist vermutlich außer vom Erreger auch noch von anderen Faktoren, wie der genetischen Veranlagung und schlechten Umweltbedingungen abhängig. Eine generell erfolgreiche Behandlungsmethode gibt es nicht. Es wird jedoch vitamin- und mineralstoffreiche Nahrung empfohlen sowie Umsetzen in einwandfreies Wasser.
#19
Saprolegnia

Ein oder mehrere weißgefleckte Fische (wattebauschartige, grauweiße Verpilzungen) schwimmen faul an der Wasseroberfläche, deutlich von einem Pilzbefall gezeichnet, der leicht zu erkennen ist. Die weißen Flecken auf dem Fisch rühren von einem Schimmelpilz her, der Saprolegnia heißt. Diese Pilze können sich aber in der Regel nur auf dem Fisch ansiedeln, wenn die schützende Schleimschicht bzw. die Oberhaut verletzt ist.

Derartige Pilzwucherungen können die Folge von Stich- oder Bisswunden durch andere Organismen oder von mechanischen Verletzungen sein, aber auch durch Temperatur- oder Abwassereinwirkungen hervorgerufen werden. Der Pilz kommt natürlich vor in allen Süßgewässern und greift geschwächte Fische an. Häufig zeigt es sich, dass besonders ältere männliche Forellen stark betroffen sind. Die Ursache hierfür ist hauptsächlich, dass die Immunabwehr der Fische während und nach der Laichzeit geschwächt ist.
Das besonders die männlichen Fische vom Schimmelpilz angegriffen werden, liegt an ihrem aggressiveren Verhalten, das häufig in richtigen Kämpfen um die weiblichen Fische mündet. Diese Kämpfe sind oft so heftig, dass sich die Fische gegenseitig Schrammen und Risse in der Haut zufügen, und der Schimmelpilz dadurch wiederum eine Möglichkeit zum Angriff hat. Saprolegnia ist ein echter Schwächeparasit, der in der Regel immer sekundär auftritt und im übrigen alle Fischarten befallen kann. In der Teichwirtschaft hat sich für die Bekämpfung von Saprolegnia Malachitgrün (Malachitgrünchlorid tgba.org oder Malachitgrünoxalat mit dem Zusatz “für die Fischzucht”) bewährt. Wichtiger als die Bekämpfung ist jedoch die Vorsorge, also gute, gesunde Haltung und Vernichtung aller Parasiten. Die direkte Bekämpfung von Saprolegnia ist immer nur ein Kurieren der Symptome und nicht der Ursachen der Erkrankung.
#20
Taumelkrankheit

Auch die sog. Taumelkrankheit, die alle Süßwasserfischarten und viele Meeresfische heimsucht, wird von einem Pilz, Ichthysoporidium hoferi hervorgerufen. Aus den mit der Nahrung aufgenommenen Dauerstadien des Pilzes werden im Fischdarm amöbenartige Plasmodien frei. Sie gelangen durch die Darmwand in das Blutgefäßsystem und werden so in die verschiedenen inneren Organe, z. B. die Leber oder die Nieren transportiert. Hier umgeben sie sich mit einer Hülle und wachsen allmählich heran. Aus diesen Zysten werden wieder Tochterplasmodien frei, aus denen sich weitere Zysten entwickeln. Schließlich brechen die Sporen von innen her durch kleine Hauptgeschwüre nach außen durch, werden frei und sorgen für die weitere Verbreitung. Die äußeren Symptome erkrankter Fische sind Gleichgewichtsstörungen (Taumeln!), Appetitlosigkeit, Abmagern und plötzlicher Tod. Gelegentlich findet man auch kleine Geschwulstbildungen auf der Haut. Die inneren Organe weisen kleine, runde Zysten auf, Stark befallene Organe fühlen sich vielfach hart und sandig an. Eine gesicherte Diagnose ist meist nur vom Fachmann aufgrund histologischer Untersuchungen möglich. Die Krankheit ist sehr ansteckend. Die Infektion erfolgt durch Sporen und Pilzfäden über den Kot, eventuell auch über infizierte Kleinkrebse und bei Teichfischen auch durch Verfütterung kranker Meeresfische. Eine medikamentöse Behandlung ist nicht möglich. Stark befallene Bestände sollten deshalb unbedingt vernichtet und die Teiche im Anschluss daran sorgfältig desinfiziert werden.
#21
Virale Hämorrhagische Septikämie (VHS)

Bei dieser gefährlichen Cypriniden – Krankheit handelt es sich um einen Komplex aus mehreren Krankheitsformen, die heute vielfach als eigenständige Erkrankung betrachtet werden. Da aber viele Fragen dieses Krankheitsbildes noch ungeklärt sind, wird es hier unter der alten Bezeichnung Bauchwassersucht beschreiben, zumal dieser Name in der Praxis nach wie vor geläufig ist. Man unterscheidet im allgemeinen zwei Krankheitsformen, die unterschiedliche Erreger haben, die Fische aber oftmals gleichzeitig befallen. Manche Autoren sprechen sogar von drei Krankheitstypen. Die akute Bauchwassersucht oder Exsudatform entspricht der sog. Frühlingsvirämie der Karpfen (Spring Viraemia of Carp, SVC, SV) und ist eine Viruserkrankung. Ihr Erreger ist Thabdovirus carpio. Sekundär treten aber noch Bakterien der Gattungen Aeromonas und Pseudomonas auf. Die chronische Bauchwassersucht, die Geschwürform, wird heute als Erythrodermatitis (ED Carp Erythrodermatitis, CE) bezeichnet. Erreger ist die Bakterie Aeromaonas salmonicida ssp. nova.
Äußere Symptome der akuten IBW Die Fische stehen direkt unter der Wasseroberfläche und haben keinen Appetit. Ihr Leib ist gebläht. Zum Teil treten großflächige Blutungen in der Haut an den Flossenansatzstellen auf. Glotzaugen, vorgestülpter After, ausgefranste Flossen und blasse Kiemen vervollständigen das Krankheitsbild. Beim Öffnen der Fische zeigt sich die Leibeshöhle angefüllt mit Flüssigkeit. Die Leber ist gelb und wässrig. An der Schwimmblasenwand treten deutliche Blutungen auf, Der Darm ist stark entzündet bis zur wässrigen Auflösung. Bei der chronischen Form ähneln die Symptome weitgehend denen der akuten, nur fehlt die starke Aufblähung des Leibes. Am Rücken und an den Seiten treten jetzt tiefe, vielfach sekundär verpilzte Geschwüre auf. Die inneren Symptome zeigen keine so weitgehende Schädigung wie beim akuten Stadium. Die akute Form wirkt verheerend. Sie bricht vorwiegend im Spätherbst und Frühjahr bei Wassertemperaturen zwischen 16 und 17 Grad C aus. Stärkere Temperatur-, Sauerstoff- und pH-Schwankungen begünstigen ebenso wie zu dichter Besatz und ungünstige Ernährung (Vitaminmangel) den Ausbruch der IBW.
BauchwassersuchtDie chronische Form zeigt sich überwiegend im Sommer. Als Infektionsquelle sind kranke und tote Fische anzusehen. Obwohl Kontaktinfektion nachgewiesen ist besteht über den natürlichen Übertragungsweg noch keine absolute Klarheit.
Sehr ähnliche Symptome wie die eben beschriebenen treten bei der viralen Schwimmblasenentzündung (VSBE) auf, an der neben Karpfen auch Schleien, Hechte, Zander und Graskarpfen erkranken können. Von einigen Fachleuten wir die VSBE daher ebenfalls als besondere Form der Bauchwassersucht angesehen. Typisch ist zu Beginn des Ausbruchs dieser Fischkrankheit das Kopfstehen der Fische, bedingt durch die Bildung gas- und flüssigkeitsgefüllter Zysten im Schwanzbereich. Auch der Augendrehreflex fällt einseitig aus. An der Schwimmblase zeigen sich Blutungen sowie bräunliche bis schwarze Flecken und Verdickungen. Der Erreger der VSBE ist mit der akuten IBW identisch, so daß es sich wohl um eine Krankheit mit zwei Haupterscheinungsbildern handelt. Eine Übertragung der VSBE über Karpfeneier erfolgt nicht. Die Infektion scheint vom Darm her über die Schwimmblase zu verlaufen, dürfte aber auch über die Kiemen möglich sein. Eine medikamentöse Behandlung bleibt erfolglos. Auch bei der IBW sind gesundes Fischmaterial, gute Haltung, einwandfreie Fütterung, ordentlicher Besatz und eine sorgfältige Teichpflege die beste Gewähr für eine Verhinderung dieser Krankheit.
  


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