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Equipment für Noobs
#1
Hallo,

ich habe mir neulich eine Angelausrüstung gekauft, weil mich ein Bekannter zu einer Nordsee - Angeltour in Dänemark überredet hatte.

Bezüglich der Ausrüstung hat er mir einen Laden empfohlen, dessen Besitzer er wohl kennt.

Hier meine Erfahrung als einer, der noch nie in seinem Leben eine Rute ausgeworfen hat und sich komplett auf die Unterstützung seines Bekannten verließ:

Wir betraten den Laden. Der Besitzer war nicht da, und mein Bekannter befasste sich sofort mit irgendwelchem Kram, der für ihn wichtig war.
Der Angestellte des Ladens, der mich bediente, zeigte mir ein paar Angeln und empfahl mir letzten Endes eine Kombination aus Multirolle mit Kurbel links und einer einteiligen Rute von 2,38m Länge und 30 LBS Belastbarkeit.

Kosten sollte der Spaß 1.499 Dänische Kronen, was in etwa 200 € entspricht. Was mir als Laie auffiel war, dass das Preisschild der Kombination schon sehr ausgeblichen war. Der Verkäufer meinte: ja, deswegen würde ich ja auch enien Rabatt kriegen. Ok.

Das die Rute einteilig war, habe ich erst später herausgefunden, ich dachte, standardmäßig bestehen die aus mehreren Teilen. Zum Glück habe ich aber ein ausreichend großes Auto.

Bei der Schnur hat er mir eine 0,30 dicke verkauft, die angeblich 30 Kilo halten sollte.

Die Rolle war eine "Seawolf cl 200 LH" der Firma Balzer, die Rute eine "Saltstraumen 7'6"" der Firma Excalibur Scandinavian Design.
Auf der Rute steht noch der Zusatz "30 LBS Graphite Chromed". Dementsprechend ist die Rute komplett verchromt.

In der Unterkunft in Dänemark angekommen, habe ich googeln wollen, was ich da eigentlich gekauft hatte.
Bei der Rute habe ich nicht einen einzigen Beitrag gefunden, bei der Rolle diverse Einträge. Einmal hatte 2016 jemand eine solche Rolle gebraucht über Ebay verkauft für 20,50 €, einmal wollte jemand wissen, ob man mit der Rolle in Norwegen auf Großfisch gehen kann (aus dem Jahre 2006).


Das alles hinterließ ein paar Fragezeichen in meinem Kopf, und ich dachte mir: teste das alles doch mal. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Sternbremse der Multirolle nur sehr unzureichend funktionierte. Mein Bekannter hatte eine Fischwaage mit einem Haken dabei, und damit habe ich die Rolle getestet. Wenn man die Sternbremse einhändig so fest anzog, wie es geht, waren 2 bis 3 Kilo Zugkraft drin.

Wenn man beide Hände benutzte, um die Sternbremse anzuziehen, waren knapp 6 Kilo drin, bevor die Rolle sich gegen das Kurbeln abrollte.

Ich habe mir daraufhin angesehen, wie solche Rollen funktionieren, und bin zu folgendem Schluss gekommen: die Rolle ist wahrscheinlich seit 10 Jahren in dem Laden gewesen, und die Reibscheiben, die die Kurbel mit dem Getriebe der Rolle kuppeln, sind ausgehärtet.

Daraufhin habe ich eine Email an Balzer geschrieben und gefragt, ob man für die Rolle noch Ersazteile bekäme. Die sehr schnelle Antwort (schon am nächsten Tag) war: nein.

Die Rute konnte ich ja nun leider nicht testen, aber wenigstens habe ich nicht auf dem Kutter gestanden und festgestellt, dass die Dorsche sich über die Zugkraft meiner Rolle kaputt lachen.

Die Schnur ist bei einem Belastungstest mit der Fischwaage bei etwa 11 Kilo gerissen, was nach Aussage meines Bekannten "lächerlich für eine 30er Schnur" sei.

Ok, ich weiß nicht, ob man bei der Organisation einer solchen Angeltour mehr falsch machen kann.

Wir sind jedenfalls zu dem Angelladen zurück und ich habe dem Händler meine Meinung zu der Rolle und der Schnur gesagt. Ich konnte durch meine zwischenzeitlichen Recherchen ja auch mehr oder weniger belegen, dass er mir einen Ladenhüter verkauft hatte.

Nach einigem Hin und Her bot er mir 2 andere Linkshandmultirollen an, von denen ich mir eine aussuchen sollte im Tausch für meine defekte.

Ich fragte kurz, ob ich mal eben 5 Minuten googeln könnte, daraufhin sagte er, er wisse, dass ich mich nicht für die Okuma, sondern für die Abu Garcia entscheiden würde, wenn ich googele.

Tatsächlich ist die Abu Garcia auch ganz aus Metall, während die Okuma im Wesentlichen ein Kunststoffgehäuse hatte, das mit einem Tiefenmesser aufgepeppt worden war. Mehr Metall ist bei Rollen zumindest ein Fingerzeig, der auf mehr Qualität hindeutet, habe ich gelesen. Außerdem scheint Abu Garcia renommierter zu sein als Okuma.

Ich entschied mich also für die Abu Garcia, Modell "Ambassadeur 7001". Für die kriegt man immerhin auch noch Ersatzteile. Schnur war auch schon drauf.

Was habe ich aus dieser Lektion gelernt:

1. Informier dich selbst, wenn du angeln willst
2. Googel die Produkte, die kaufen willst, bevor du sie kaufst
3. Verlass dich nicht auf Leute, die im Wesentlichen einen Chauffeur brauchen

Wenn mir jemand was über die Rute sagen kann, wär ich erfreut. Ansonsten weiß ich, dass es nicht nur auf die Belastbarkeit, sondern auch auf die Flexibilität ankommt, wohl besonders in der Spitze. Die benötigt man ja für's Pilkern.

Ich hoffe, die Rute hat die wahrscheinlich auch lange Standzeit im Laden unbeschadet überlebt. Aber da ich auch 25 Jahre alte Badmintonschläger aus Graphit habe, die immer noch nicht kaputt gehen wollen, habe ich da eine gewisse Hoffnung.

Und ansonsten kann man ja einfache Ruten zum Glück für weniger als 200 Euro kaufen, und bevor ich richtig Geld in den Angelsport stecke, werde ich vielleicht erstmal abwarten, bis ich mal einen Fisch aus dem Wasser geholt habe.
#2
Da ist, ja alles schiefgelaufen was ging. Zum Pilken auf Dorsch ist das Equipment von dir nicht geeignet bzw. wird kein Spaß machen damit zu angeln da es viel zu überdimensioniert und schwer ist, da fällt dir der Arm ab Laugh1. Für das Pilken auf Dorsch reicht eine Spinrute mit ca 80-150g Wurfgewicht und 220 - 300 cm länge, dazu eine Salzwasserfeste 4000er Stationärrolle mit einer 0,17er - 0,20er geflochtene Schnur mit 8- 10 kg Tragkraft, 0,30er wie bei dir ist zu dick und hat normal auch nur so 19 kg Tragkraft keine 30 kg. Mit der von mir genannten Kombination könnte man dann auch wenigstens noch auf Hecht in Deutschland angeln. Deine Kombination ist ehr was zum Naturköder angeln auf Leng in Norwegen wo man mal 1000g Blei braucht, um Grundkontakt zu halten. Hättest du auf dem Kutter nicht auch ein Leihgerät mieten können?

Das alter der Rute und Rolle ist allerdings egal die nehmen kein schaden oder verlieren an Qualität, allerdings sollte man das Equipment immer im Heimatland kaufen um es auch problemlos umtauschen zu können.

Da hast du wohl das erste Lehrgeld bezahlt wie fast jeder Angler am Anfang, sei es falsches Equipment oder am falschen Ende gespart.
#3
Erstmal danke für die Antwort. Ja, theoretisch hätte ich auch eine Rute mieten können auf dem Kutter, hätte 150 Kronen, also etwa 20 Euro gekostet. Die Tour hätte 20 Stunden gedauert und zum gelben Riff geführt.

Man hat mir an allen Stellen dort Pilker von 200 bis 300 Gramm Gewicht empfohlen. Einige sagten, es käme auch auf die Farbe des Pilkers an, andere sagten, das sei egal. Als wissenschaftlich interessierter Mensch habe ich die Theorie aufgestellt, dass abhängig von der Wassertiefe bestimmte Farben ausscheiden würden, weil das Sonnenlicht mit zunehmender Tiefe immer weiter gefiltert wird und dann irgendwann bestimmte Farben einfach nicht mehr da sind.
Damit die Farbe irgendeine Aussicht darauf hat, fangbegünstigend zu wirken, müsste das Wasser ja auch relativ klar sein.

Hast Du eigentlich irgendeine Quelle im Netz gefunden, wo entweder der Hersteller der von mir erworbenen Rute oder sogar das Modell in irgendeiner Form auftaucht ?

Ich denke, ich mache erstmal einen Fischereischein und sammel ein bischen Erfahrung. Sich gleich auf so einen Kutter zu stellen ist vielleicht nicht die beste Idee, wenn man noch gar keine Ahnung von nichts hat. Wenn man den Fisch hat, muss man ihn ja auch töten (das krieg ich glaub ich noch hin), ausnehmen (mit ein bischen Übung ...) und filettieren (wahrscheinlich mehr Übung erforderlich).

Das mit dem Ausnehmen und Filettieren hätten die aber auch auf dem Schiff gemacht, inklusive tieffrieren und Vakuumverpacken. Es klang eigentlich gar nicht schlecht. Hätt schon mal Bock auf sowas gehabt, selbst, wenn ich nichts gefangen hätte, wär's ja mal ein Eindruck gewesen. Angeln am Fluss (also mit nem Kumpel da sitzen der angelt, ein Bierchen schlürfen und ne Stulle essen) war eigentlich schön entspannt.
#4
Also Kutter ist schon was für sich, wenn du da Seekrank wirst ist das eine Qual 8 Stunden auf offener See zu sein. Zum Equipment, bei 300g pilker brauchst du natürlich eine Rute mit mehr Wurfgewicht als @lenox angegeben hat, je nach dem welche Gewichte verwendet werden müssen. Das Gerät von dir ist dafür aber zu schwer wie schon gesagt wurde, eine 4000 bis 5000 er Stationärrolle mit 0,20mm Durchmesser geflochtener Schnur und dem Gewicht der pilker angepasste Rute in 2,4 bis 3 Meter Länge sind zum pilken auf Dorsch ideal. Zu deiner Rute kann ich leider auch nix im Netz finden.

Gruß Snoek
#5
Als Farben fangen die gängigen Orange und Silber Blau eigentlich überall gut, sowie uv aktive Köder. @Snoek mit dem WG hast du natürlich recht das muß zum Gewicht des Köders passen. Was die Farben unter Wasser angeht hast du recht ein interessantes Video findest du in der Youtube Galerie hier "Welche farben sehen Fische". 

Bei dem angel vom Kutter muss ich da zustimmen, ich muss vorher auch was gegen Seekrankheit nehmen bevor es auf See geht Laugh1, sollte man sicherheitshalber immer dabei haben. 

Ich kann zu deiner Rute leider auch nix sagen das wird wohl eine Art Hausmarke sein, denn es lässt sich kein Anhaltspunkt dazu finden.
#6
Bei der Rute denke ich, dass die irgendwann vor 10 Jahren oder wann auch immer die mal den Laden eröffnet haben, billige Startersets im Angebot haben wollten. Die Balzer - Rolle wär ja wahrscheinlich per se auch nicht schlecht bzw. unbrauchbar gewesen, wenn sie nicht kaputt gewesen wär.

Das mit dem Mittel gegen Seekrankheit hätt ich auch gemacht. Bin zwar erst ein einziges Mal seekrank geworden, bei Windstärke 9 auf einer 10 Meter Yacht auf der Ostsee, aber ich muss zugeben, dass ich das seit ca. 20 Jahren nicht mehr ausprobiert habe.

Also sicher ist sicher. Am schlauesten wird es allerdings sein, erstmal einen Fischereischein zu machen, damit man mit Begriffen wie "Spinrute", "Vorfach", "Paternoster" und Ähnlichem etwas anfangen kann. Ich bin wirklich ein totales Greenhorn. Theoretisches Wissen kann man sich zwar aneignen, das hilft einem ja aber auch nicht viel, wenn man es noch nie praktisch angewandt hat.

Irgendwann nächstes Jahr werd ich dann mal wieder so eine Kuttertour ins Auge fassen. Die organisier ich dann aber selber, bzw. ich such mir Leute, die wissen was sie tun, mit denen man dann gemeinsam da hin fahren kann. Ich hätt schon Bock auf Dorschfilet Laugh1 (selbstgefangen)
#7
Ein Angelschein sollte meiner Meinung nach jeder haben der angeln möchte, daher wird es dir nicht schaden wenn du vor hast regelmäßig zu Angeln. Eine Rute kann jeder ins Wasser halten, ein Fisch waidgerecht behandeln und zu töten leider nur die wenigsten, auch Leuten mit Angelschein haben da oft anscheinend mehr Theorie als Praxis .
Wenn man sich informiert, wie, was zu machen ist, soll es auch den Leuten mit Gastkarten ohne Angelschein gegönnt sein ein Fisch zu fangen , z. B. im Ausland, auf See, in Mecklenburg-Vorpommern und wo auch immer möglich. Man muss aber immer an ein Lebewesen denken was man fängt, was eine ordentliche und fachmännische Versorgung verdient hat.
#8
In Dänemark ist es möglich, auch ohne jede Form von Ausbildungs- bzw. Fähigkeitsnachweis zu angeln. Ich stimme Dir aber zu: im Zweifel muss man in der Lage sein, den geangelten Fisch auch waidgerecht zu töten bzw. weiter zu verwerten.

Ich fände es auch nicht gut, wenn ein guter Teil des Fischs drauf geht, weil ich nicht weiß, wie man den filetiert. Aber ein Schritt nach dem anderen. Ich häng mich erstmal an den lokalen Anglerverein dran, sammle einen Grundschatz an Erfahrung, und dann sehen wir weiter.
#9
Um ohne Angelschein zu Angeln brauchst du nicht nach Dänemark Grin Mecklenburg-Vorpommern z.B. bietet Touristenscheine an oder auch die Niederlande bietet Angelscheine ohne das man eine Prüfung haben muss. In den Niederlanden sollte man aber beachten das dort catch & release gewünscht wird und nicht wie hier in Deutschland mit den Steinzeit Gesetzen alles abgeschlagen werden muss.
#10
Naja, auf das "ohne Angelschein" kam es mir gar nicht so an. Das war eher dem Umstand geschuldet, dass es ja spontan auf Tour gehen sollte. Ich bin schon Fan von etwas Ausbildung, egal, was ich angehe.

Den Teil, den ich nicht hätte leisten können, sollte ja mein Bekannter machen. Aber nach der gemachten Erfahrung, was das Equipment angeht, denke ich, ich sollte mich nicht so auf andere verlassen und mir erstmal selbst grundlegende Fähigkeiten aneignen. Das wird dann ja in nächster Zeit möglich sein. Ich denke, ich mach das bei Fishing-King.
  


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