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[How-to] Blutegel (Hirudo medicinalis) züchten
#1
In diesem Thread möchte ich euch erklären, wie ihr zu Hause Blutegel züchten könnt. Ich habe mich lange mit den Egeln beschäftigt und mit mehreren Fachleuten darüber ausgetauscht. Es sei direkt zu Anfang gesagt es bedarf ein bisschen Übung, Geduld und Erfahrung um Erfolg zu haben.

Steckbrief:

Name: Medizinischer Blutegel Hirudo medicinalis

Vorkommen: Europa, selten

Größe: etwa 200 mm

Lebensweise: Amphibisch, Kokonablage in der Erde

Nahrung: Säugerblut

Lebensdauer: Etwa 20, maximal 27 Jahre Entwicklungszeit und Lebensdauer stark vom Ernährungszustand abhängig.

Geschlechtsreif: Nach etwa 3 Jahren


Unterbringung:

Als Erstes braucht ihr natürlich ein passenden Behälter zur Aufbewahrung, am besten eignen sich kleine Aquarien von mindestens 60 Liter, welche man mit einer Glasplatte abdeckt. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann noch ein kleines Gewicht auf die Platte gelegt werden damit die Egel garantiert nicht ausbrechen können. Die Glasplatte sollte alle 2–3 Tage zum Luftaustausch für ein paar Minuten abgenommen werden, bleibt dabei bitte immer bei den Egeln, die gehen schnell mal auf Wanderschaft. Die Haltung der Egel ist ganzjährig bei Raumtemperatur möglich. Für Zuchtstämme von 30 Exemplaren sind Aquarien ab 60 Liter zu verwenden, der Standort sollte hell aber ohne Sonneneinstrahlung sein. Auf dem Boden des Beckens sollte etwas grober Kies zum Verstecken sein und wer möchte, kann gegebenenfalls noch ein wenig Bepflanzung, z. B. Schwimmblattpflanzen in das Becken geben. Das Aquarium ist je nach Größe bis zur Hälfte mit ca. 30 Liter Wasser zu füllen, das Aquarium ist somit fertig. Ich halte ca. 30–40 Tiere in dem Becken das Wasser muss je nach Verschmutzung gewechselt werden dazu aber später mehr im Abschnitt füttern.


Füttern der Egel:

Die schwierigste Hürde ist es frisches Blut ohne Gerinnungshemmer für die Tiere zu bekommen, wenn man sich die Tiere nicht selber ansetzen möchte (gezüchtete Egel speziell zum Angeln sind nicht für die Nutzung am Menschen geeignet).

Verwendet werden kann jedes Blut von Säugetieren. Im Internet gibt es gefrorenes Blut für Hund und Katze, welches keine Gerinnungshemmer enthalten soll, aus schlechter Erfahrung sei aber darauf hingewiesen, das das Verfüttern aufgetauten Blutes den Egeln manchmal sehr schadet, oft wird es auch gar nicht erst angenommen. Am besten ihr habt einen Bauern oder Metzger, der selber schlachtet und euch damit versorgen kann.

Kommen wir nun zur Fütterung. Wenn ihr an frisches Blut gekommen seid gibt es mehrere Möglichkeiten den Egeln eine Mahlzeit zu geben. Meist ist Hirudo aber nicht in Freßlaune, was besonders bei der Zucht ein Problem darstellt, denn bevor sich die adulten, zwittrigen Würmer paaren, benötigen sie eine Wirbeltierblutmahlzeit. Wenn es nicht klappt einfach mal ein paar Wochen später erneut probieren.

1. Ihr könnt den Egeln einen Blutkuchen (frisch geronnenes Blut) geben. Legt dazu ein Stück Blutkuchen in ein Einmachglas, setzt ein oder 2 Egel in das Glas und macht ein Deckel darauf. Die Egel verflüssigen den Kuchen dann mit ihrem Speichel.

2. Ein mit Blut gefüllten Schweinedarm oder Blase in ein separaten Behälter (ich verwende 12 Liter Eimer mit Deckel) mit etwas Wasser geben. Um die Egel in fresslaune zu bringen, kann man etwas mit der Hand im Wasser planschen, die Egel nehmen die Bewegung wahr und suchen interessiert ihre Umgebung ab. Das Blut in dem Darm muss etwa 35-38 Grad haben sonst werden die Egel meist nach dem ersten Tropfen von der Mahlzeit ablassen.

3. Bewährt hat sich auch die folgende Fütterungsart, die jedoch etwas Geduld erfordert. Ein Blutegel wird in ein kleines Glasgefäß, z.B. ein Trinkglas, gebracht, dieses wird mit Wasser zu dreiviertel gefüllt und mit Parafilm aus der Apotheke oder dem Laborbedarfshandel bedeckt. Den Parafilm sollte man zuvor auf der Unterseite mit wenig Achselschweiß bestreichen. Etwa 10 ml erwärmten Blutes (ca. 38 Grad) werden in eine Plastikspritze ohne Kanüle aufgezogen und ein Tropfen davon auf die Oberseite des Films gegeben. Nach einiger Zeit beginnt der Egel, sich an den Parafilm anzusaugen und diesen zu durchbeißen. Nun tropft man allmählich soviel Blut nach, wie der Wurm imstande ist aufzunehmen. Nach Beendigung einer Mahlzeit dieser Art, bei der das Tier sich im Wortsinne volllaufen lässt, erbricht es manchmal nach wenigen Minuten einen Teil des zuvor aufgenommenen Blutes. Dies ist kein Anlass zur Sorge, sondern ein normaler Reflex, der von Dehnungsrezeptoren der Magenwand ausgelöst wird.

Gefütterte Egel sollten im Anschluss immer separat von den nicht gefütterten aufbewahrt werden, da es sonst zu übergriffen der Artgenossen kommen kann.

Bei frisch gefütterten Egeln muss ein täglicher Wasserwechsel erfolgen, da die Tiere Blut erbrechen was aber ganz normal ist.
Füttern kann man die Egel ca. alle 6 – 12 Monate (Adulti, Jungtiere nach Bedarf öfter). Meistens sind die Egel aber wie schob erwähnt nicht in Fresslaune.


Die Zucht:

Mit einem Alter von etwa 3 Jahren sind die Egel dann Geschlechtsreif. Zur Stimulierung der Paarungsbereitschaft ist für diese Art, eine Winterruhe von Oktober/November bis Februar/März bei Temperaturen zwischen 4 °C und 8 °C empfehlenswert.

Hirudo benötigen zur Kokonablage feuchte Erde, ein Bodengrund aus lockerer humoser Erde mit einigen aufliegenden Borkenstückchen als Versteck und zur Kokonablage sind dafür gut geeignet. Bei beabsichtigter Zucht kann die Haltung zeitweise oder ganzjährig auch im Aquaterrarium erfolgen. Alternativ ist aber auch eine zeitweilige Unterbringung in feuchter Erde, ohne Wasser, möglich, sobald die bevorstehende Kokonablage durch ein aufgehelltes und verdicktes Clitellum angezeigt wird. Kokons werden anschließend abgesammelt und im Inkubator (ein in einfachster Art mit Wasser gefüllter Behälter mit einem Sieb zur Kokonzeitigung oberhalb der Wasseroberfläche, besser jedoch auf ein Sieb mit Moos zur Einbettung der Kokons) gezeitigt. Dabei ist Staunässe zu vermeiden!

Bei Hirudo können Kokons auch im Aquaterrarium im Beisein der Eltern gezeitigt werden. Jungtiere sollten aber zur kontrollierten Aufzucht nur in kleinen, überschaubaren, weitestgehend dekorationsfreien Becken ausschließlich im Wasser gehalten werden.

Der Schlupf der Egel aus dem Kokon ist meist nach ca. 4 Wochen.
  


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