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[Info]  Der formale Weg zum Angeln
#1
Fischerei ist in Deutschland grundsätzlich Sache der Bundesländer, deshalb werden Fischereibelange in den Fischereigesetzen der Länder geregelt. 
In Hessen ist dies das Hessische Fischereigesetz (HFischG), auf dem weitere Rechtsvorschriften (Verordnungen, Allgemeinverfügungen, Erlasse) beruhen. In Hessen gibt es gut 100000 Fischereischeininhaber. Aber auch Kinder, Jugendliche und auswärtige Angelgäste möchten zur Angel greifen. Nur rund 1 % der Landesfläche Hessens sind jedoch Wasserflächen. Die Ressource Fischereigewässer ist also begrenzt und wird zusätzlich von Belangen anderer Naturschutzverbände, Badegästen, Wassersport usw., der Berufsschifffahrt und der Energiewirtschaft (Wasserkraft) beansprucht. 

Die 5 Wege zum Angeln im Land

Wer die Angelfischerei ausüben will, muss grds. im Besitz eines Fischereischeines und zusätzlich der örtlichen Angelerlaubnis sein... 

1. Heranführendes Angeln für Kinder bis 9 Jahren von einem volljährigen Fischereischeininhaber → Angelerlaubnis (nur für den Fischereischeininhaber) → Angeln und Fische fangen! 

2. Jugendfischereischein (ohne Fischerprüfung jedoch mit Begleitung durch einen volljährigen Fischereischeininhaber) → Angelerlaubnis → Angeln und Fische fangen! 

3. Fischereischein (nach erfolgreicher Fischerprüfung) → Angelerlaubnis 
→ Angeln und Fische fangen! 

4. Sonderfischereischein für Behinderte (ohne Fischerprüfung jedoch mit Begleitung durch einen volljährigen Fischereischeininhaber) → Angelerlaubnis → Angeln und Fische fangen! 

5. Hessischer Ausländerfischereischein (nach Vorlage eines ausländischer Sachkundenachweises etc.) → Angelerlaubnis → Angeln und Fische fangen! 

Zu beachten: Einige Gewässerbewirtschafter erwarten vor Erwerb einer Angelerlaubnis wenigstens den Nachweis der sog. "alten Sportfischerprüfung" nach der Prüfungsordnung des VDSF (in Hessen bis Dezember 1990 üblich), wenn keine staatliche Fischerprüfung nachgewiesen werden kann! 

Erteilung einer Angelerlaubnis (Angler) durch den Fischereirechteinhaber (Fischerei-Pächter/-Eigentümer)

Die ausgegebene Angelerlaubnis für ein Angelgewässer ist zeitlich beschränkt sowie orts- und personengebunden. Es gibt sie für: 

a. Vereinsmitglieder (z.B. reine Vereinsgewässer) 

b. Gäste (z.B. offen zugängliche Gastgewässer) 

c. Kunden (z.B. private/gewerbliche Angelteiche und Forellenseen etc…) 

Das (physikalische) Papier "Angelerlaubnis" für Gäste und Kunden, wird im Angelführer als Gastkarte (GK) bezeichnet. Es wird formal bzw. umgangssprachlich auch Angelerlaubnisschein, Gasterlaubnisschein, Gastlizenz o.ä. genannt, für dessen Erwerb grds. ein Fischereischein notwendig ist. 

Zu beachten: Es liegt ebenso in der Verantwortung der Fischereirechtsinhabers bzw. dessen beauftragten Gastkarten-Ausgabestelle, vor der Erteilung einer Angelerlaubnis objektiv zu prüfen ob der Anwärter einen gültigen Fischereischein o.ä. besitzt (keine Briefkasteneinwürfe bzw. Internetbestellungen)! 

Hierbei gilt:

Kinder bis 9 Jahren dürfen in Hessen nicht selbst angeln, sie dürfen jedoch von einem volljährigen Inhaber eines Fischereischeins an das Angeln herangeführt werden. Dabei dürfen die Kinder kein eigenes (zusätzliches) Angelgerät benutzen. 

Kinder und Jugendliche von 10 bis 15 Jahren können ohne Vorbedingungen einen Jugendfischereischein erhalten. Damit dürfen sie in Begleitung eines volljährigen Fischereischeininhabers selbst angeln. (Beitritt zur Jugendgruppe eines im Verband Hessischer Fischer e.V. organisierten Angelvereins empfohlen). 

Jugendliche ab 14 Jahren erhalten, sofern sie die Fischerprüfung abgelegt haben, den Fischereischein, der sie dazu berechtigt, alleinverantwortlich (ohne die fischereigesetzlich vorgeschriebene Begleitung) zu angeln. Aus Gründen der Fürsorge (Aufsichtspflicht) kann aber dennoch eine Begleitung notwendig sein. 

Alle Personen ab 16 Jahren müssen grundsätzlich die staatliche Fischerprüfung nachweisen, um einen Fischereischein erwerben und angeln zu dürfen. 
Zu beachten: Personen, gegen die ein Verfahren wegen Vergehen im Bereich der Fischerei eingeleitet wurde, kann der Fischereischein (bei Strafverfahren auch ohne Verurteilung) komplett versagt werden! 

Ausgenommen von der Prüfungspflicht (jedoch nicht Fischereischeinpflicht!) sind:

Personen, die sich durch ihre berufliche Qualifikation ihre Sachkenntnis in der Fischerei erworben bzw. nachgewiesen haben (z.B. ausgebildete Fischer/Fischwirte, Wissenschaftler im Bereich Fischerei sowie Personen des öffentlichen Dienstes mit Zusatzprüfung). 

Auch Personen, welche im Zeitraum von 5 Jahren vor Inkrafttreten des Hessischen Fischereigesetzes (vom Dez. 1990) einen gültigen Inland-Fischereischein besaßen (inkl. die Qualifikationen zum Fischfang in der ehem. DDR) sowie ausgewiesene Diplomaten etc. mit einer ausländischen Fischereilizenz, benötigen ebenfalls keine Fischerprüfung. 

Weiterhin kann Schwerbehinderten, geistig Behinderten und anderen Personen, die aus gesundheitlichen Gründen die Fischerprüfung nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand absolvieren könnten (Nachweise nach GdB./MdE.), ein Sonderfischereischein ohne Prüfungsnachweis ausgestellt werden. 
Zu beachten: Personen mit Sonderfischereischein müssen beim Angeln von einem volljährigen Fischereischeininhaber begleitet werden! 

Angelgäste aus anderen Bundesländern mit gültigen Fischereischeinen ihrer Bundesländer können i.d.R. in Hessen eine Angelerlaubnis erwerben, wenn die fachlichen Voraussetzungen für deren Fischereischein-Erteilung der hessischen Rechtsordnung entsprechen. 
Zu beachten: Zeitlich begrenzte, u.a. sog. Touristen-Fischereischeine bzw. Ausländerfischereischeine anderer Bundesländer können deshalb ausgenommen sein! 

Zugezogenen Personen aus anderen Bundesländern wird deren in einem anderen Bundesland durch Prüfung erworbener Fischereischein anerkannt, wenn die Voraussetzungen für dessen Erteilung den fachlichen Grundsätzen und der Rechtsordnung in Hessen entsprechen (behördliche Einzelfallabwägung ist jedoch möglich). 
Zu beachten: Kinder bis 9 Jahren sowie Jugendliche mit 16 und 17 Jahren dürfen dann, im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern, in Hessen nicht mehr mit einem Jugendfischereischein angeln! 

Alle ausländischen Angel- und Urlaubsgäste ohne Wohnsitz in Deutschland können einen Ausländerfischereischein ohne Prüfung erhalten, wenn sie im Besitz eines ausländischen Sachkundenachweises bzw. einer Prüfung sind. Wer aus Staaten kommt, in denen es keine formalen Sachkundenachweise oder Prüfungen gibt, muss wenigstens nachweisen, dass er dort der Fischerei nachgeht und sachkundig ist (z.B. durch eine langfristige Angellizenz aus diesen Ländern oder ggf. durch eine Eidesstattliche Erklärung).

Selbstverständlich können auch Ausländer, unabhängig von ihrem Heimatland und Wohnsitz, freiwillig in Hessen die staatliche Fischerprüfung ablegen und anschließend den vollwertigen hessischen Fischereischein erhalten, der dann in ganz Deutschland gültig ist. 
Zu beachten: Ausländer, die zwar fischereiliche Sachkundenachweise anderer Staaten besitzen, aber einen Wohnsitz in Deutschland haben, werden wie hessische Bürger behandelt und müssen grundsätzlich die hessische Fischerprüfung absolvieren.
  


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