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[Info]  Der formale Weg zum Angelschein
#1
Fischerei ist in Deutschland grds. Sache der Bundesländer, deshalb werden Fischereibelange in den Länderfischereigesetzen geregelt. Auch in Nordrhein-Westfalen sind dies das Landesfischereigesetz und die Landesfischereiverordnung, auf denen weitere Rechtsvorschriften (Verordnungen, Allgemeinverfügungen und Erlasse) beruhen. Dies ist sinnvoll und wichtig, denn NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland und hat mit ca. 250000 Fischereischeininhabern sehr viele Petrijünger. Zusätzlich möchten auch auswärtige Angelgäste an den Gewässern tief im Westen fischen. NRW hat ca. 1,9% Wasserfläche und die Gewässer werden auch von Naturschutz, Wassersport und Berufsschifffahrt sowie der Energiewirtschaft (Wasserkraft) beansprucht. Dies macht es notwendig, die Einflüsse auf unsere Fischereigewässer und die dort vorkommenden Pflanzen und Tiere durch den Gesetzgeber zu regeln. 

Die grundsätzlichen 6 Wege zum Angeln in NRW

1. Betreutes Mitangeln von Kindern bis 9 Jahre durch einen volljährigen Fischereischeininhaber mit Angelerlaubis → Fische fangen... 

2. Jugendfischereischein → Angelerlaubnis (mit Betreuung durch einen Fischereischeininhaber) → Angeln und Fische fangen... 

3. Fischerprüfung → Fischereischein → Angelerlaubnis → Angeln und Fische fangen... 

4. Behindertenausweis → Sonderfischereischein (mit Betreuung durch einen Fischereischeininhaber) → Angelerlaubnis → Angeln und Fische fangen... 

5. Wohnsitz im Ausland und ausländischer Sachkundenachweis → Ausländerfischereischein (zeitlich begrenzt) → Angelerlaubnis → Angeln und Fische fangen... 

6. Eigentümer eines stehenden Privatwässers ≤ 5000 m² bzw. zum Haus- und Hofgrundstück gehörendes stehendes Privatgewässer → Angeln und Fische fangen... 

Erteilung einer Angelerlaubnis (Angler) durch den Fischereirechteinhaber (Fischerei-Pächter/-Eigentümer)

Die ausgegebene Angelerlaubnis für ein Angelgewässer ist zeitlich beschränkt sowie orts- und personengebunden. Es gibt sie für: 

a. Vereinsmitglieder (z.B. reine Vereinsgewässer) 

b. Gäste (z.B. offen/beschränkt zugängliche Gastgewässer) 

c. Kunden (z.B. private-/gewerbliche Fließgewässerstrecken sowie Angelteiche und Forellenseen etc.) 

Die Angelerlaubnis für Gäste und Kunden, für ein oder mehrere genannte Gewässer oder Gewässerabschnitte, wird im Angelführer als Gastkarte (GK) bzw. Gastangelerlaubnis bezeichnet. Es wird umgangssprachlich auch Gewässerkarte/-schein, Gasterlaubnisschein, Gastlizenz o.ä. genannt, für dessen Erwerb grds. ein Fischereischein notwendig ist. 

Hierbei gilt:

Personen ohne Fischerprüfung bzw. ohne gültigen Fischereischein dürfen in NRW grds. nicht selbst angeln. Sie dürfen jedoch einen Inhaber des Fischereischeines beim Angeln unterstützend begleiten. 

Kinder bis 9 Jahre (ohne Jugendfischereischein) dürfen jedoch in NRW unter Verantwortung sowie unmittelbarer, direkter Aufsicht und Einwirkung eines volljährigen Fischereischeininhaber mit einem von dessen erlaubten Fanggeräten mitangeln, wenn sie dazu anwendungstechnisch in der Lage sind. Streng ausgenommen sind davon allerdings die tierschutzrelevanten Vorgänge wie z.B. das Abhaken und Töten von Fischen. 

Kinder und Jugendliche von 10 bis 15 Jahre können ohne Vorbedingungen einen Jugendfischereischein erhalten. Damit dürfen sie in Begleitung eines Fischereischeininhabers (ab 14 Jahre) selbst angeln. Aus Gründen der allgemeinen Fürsorge und Aufsichtspflicht (bedingte Geschäftsfähigkeit), wird jedoch zusätzlich die Begleitung einer volljährigen Person empfohlen. (Beitritt zur Jugendgruppe eines in den Fischereiverbänden von NRW organisierten Angel-/Fischereivereins). 

Jugendliche ab 14 Jahre erhalten, sofern sie die Fischerprüfung abgelegt haben (ab 13 Jahre möglich), den Fischereischein, der sie dazu berechtigt, alleinverantwortlich − ohne die fischereigesetzlich vorgeschriebene Fachbegleitung zu angeln. Aus Gründen der allgemeinen Fürsorge und Aufsichtspflicht (bedingte Geschäftsfähigkeit) kann aber dennoch eine volljährige Begleitung von Vorteil sein. 

Personen ab 16 Jahre müssen in NRW grds. die staatliche Fischerprüfung nachweisen bzw. absolvieren um einen Fischereischein erwerben und angeln zu dürfen. 

Allgemein zu beachten ist: Personen, die im Bereich der Fischerei-, Naturschutz- und Tierschutzbelange bzw. Urkundenfälschung etc. verurteilt sind, kann die Fischerprüfung bzw. der Fischereischein bis auf Weiteres versagt werden. 

Ausgenommen von der Prüfungspflicht, jedoch nicht von der Fischereischeinpflicht Personen, die sich durch ihre berufliche Qualifikation Sachkenntnis in der Fischerei erworben bzw. nachgewiesen haben (z.B. ausgebildete bzw. schon in Ausbildung befindliche Fischer/Fischwirte, Wissenschaftler im Bereich Fischerei). 

Personen, die innerhalb von 3 Jahren vor Inkrafttreten des Landesfischereigesetzes im Januar 1973 schon einmal einen bundesdeutschen Fischereischein besaßen bzw. die anerkannte Qualifikation zum Fischfang der ehem. DDR besaßen. 

Ausgewiesene Diplomaten. 

Weiterhin können die zuständigen Fischereibehörden nach eigenem Ermessen Schwerbehinderten, geistig Behinderten und Personen, die aufgrund ihrer Behinderung nicht in der Lage sind, die Fischereiprüfung erfolgreich zu bestehen (Nachweise nach GdB./MdE.), einen Sonderfischereischein ohne Prüfungsnachweis ausstellen. 
Zu beachten: Personen mit Sonderfischereischein müssen beim Angeln von einem Fischereischeininhaber bzw. einer volljährigen Person zur Betreuung begleitet werden. 

Zugezogene Personen aus anderen Bundesländern, die einen gültigen Fischereischein besitzen, müssen, um weiter angeln zu dürfen, ggf. erst nach Ablauf der Gültigkeitsdauer den Fischereischein auf NRW umschreiben lassen. 
Zu beachten: Jugendliche mit 16 und 17 Jahren dürfen dann, im Gegensatz zu einigen anderen Bundesländern, in NRW nicht mehr mit dem Jugendfischereischein angeln. 

Wichtig: Die sog. Touristenfischereischeine anderer Bundesländer werden in NRW nicht anerkannt. Personen mit Wohnsitz in NRW müssen, um einen Fischereischein zu bekommen, die Fischerprüfung ebenfalls in NRW absolvieren (es gilt auch hier das Wohnortprinzip). 

Ausländische Angel- und Urlaubsgäste, Saisonarbeiter, Geschäftsreisende (ebenfalls ohne Wohnsitz in Deutschland), die sich nicht länger als 1 Jahr in Deutschland bzw. Nordrhein-Westfalen aufhalten, müssen grds. die notwendigen Kenntnisse für die Ausübung des Fischfanges nachweisen. 

Hierfür genügt die Vorlage der Fischereipapiere aus ihrem Heimatstaat (allerdings nur, wenn der Erstwohnsitz zum Ausstellungsdatum nicht in NRW war). Damit kann man einen Ausländerfischereischein bei der Kommunalverwaltung der Stadt/Gemeinde z.B. des jeweiligen Aufenthaltsortes erhalten, mit dem dann eine Gastangelerlaubnis für Gewässer in ganz Deutschland erworben werden kann. 

Zu beachten: Ausländer bzw. Personen, die fischereiliche Sachkundenachweise anderer Staaten besitzen und den Erstwohnsitz in NRW haben bzw. sich länger als 1 Jahr in Deutschland aufhalten, müssen im Normalfall die Fischerprüfung von NRW absolvieren. 

Ausgenommen von der Prüfungs- und Fischereischeinpflicht

Eigentümer von privaten Kleingewässern ≤ 5000 m² (0,5 ha) bzw. zum Haus- und Hofgrundstück gehörende stehende Privatgewässer. Hier gilt das Fischereigesetz bzw. die Landesfischereiverordnung nicht. (Über die Freistellung des Gewässers entscheidet aber letzendlich die Obere Fischereibehörde). 

Zusammenfassend ist also der Besitz eines gültigen Fischereischeines für alle Personen, welche die Angelfischerei ausüben wollen, grds. unumgänglich
  


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